I am able - Arts'n'towns

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Vom 25. Juli bis 22. August 2005 wird in Zusammenarbeit zwischen Eugen Schütz und PCM das Projekt „I AM ABLE: ARTS ’N TOWNS - interkulturelle Kunst und innerstädtische Integration“ in Pretoria durchgeführt werden.

Neu ! Ergebnissbericht ! Nach den Bildern !


Gemeinsam mit den zukünftigen TeilnehmerInnen seiner Workshops wird er in
einer „mini-consultation“ Themenschwerpunkte festlegen.
Arbeitsform für Kunst- wie Theaterworkshops werden „open, rotating studios“ sein,
die flexibel bei den unterschiedlichen Projekten der PCM errichtet werden können.
TeilnehmerInnen sind pro Workshop jeweils drei bis vier BewohnerInnen des
Frauenhauses „The Potter’s House“, des Mädchenheims „Lerato“, des Aids Hospizes „Rivoningo“,
des Obdachlosenzentrums „Akanani“, der Sozialwohnungen „Yeast City Housing“ und
der Wirtschaftsfördereinrichtung „Tshepo“ und interessierte Buerger der Innenstadt.
Im Bereich Bildende Kunst werden aus Recycling Materialien, die vor Ort im
städtischen Erscheinungsbild besonders präsent sind (wie Einwegverpackungen,
Plastiktüten, Wellblech, Draht, Bretterverschläge) Skulpturen hergestellt,
die entweder auf das Umweltproblem selber oder soziale Probleme wie Obdachlosigkeit
und HIV/Aids oder auch die Auswirkungen von Globalisierung hinweisen.
Die Präsentation der Ergebnisse findet in der zweiten Projektphase statt,
deren Rahmen das „Feast of the Clowns“ bildet, ein im Jahr 2005 zum
sechsten Mal stattfindendes, sozialpolitisch ausgerichtetes Straßenfestival.
Mit einer groß angelegten Parade durch die gesamte Innenstadt Pretorias,
an der die Mehrzahl der NGOs der Umgebung beteiligt sind, werden die Ergebnisse
der Veranstaltungen und sozialpolitischen Anliegen auch der Zielgruppe der
Innenstadtbewohner und den dort ansässigen Betrieben zugänglich gemacht.
Zusätzlich gibt es Aufführungen auf verschiedenen Bühnen der Stadt, u.a.
auch dem „West End Theatre“, ein Fest im „Burgers Park“, Gottesdienste und
Vortragsveranstaltungen. Die Skulpturen werden bei der Ausstellung im Historic
Museum bei „ African Vindows“ und „Annual art competition“ in Pretoria teilnehmen,
soweit dies vorher geplant wird, als Bühnenbilder fungieren, in öffentlichen
Einrichtungen ausgestellt und von diesen möglicherweise später käuflich erworben werden.
Darüber hinaus können sie auch Anregungen zur Gottesdienstgestaltung liefern.

- Vorbereitungstreffen und Begegnung mit PCM-Mitgliedern aus
Deutschland und Südafrika
am Stand auf dem ev. Kirchentag 2005 in Hannover -



Bilder Vorort:

Ergebnissbericht/Pressetext:

Kunst braucht Zeit

Deutscher Künstler in Südafrika

Über seine Saalgestaltung und Kunst auf der Jahreskonferenz des NRO-Netzwerkes DEAB in Stuttgart ist der Freundeskreis „Pretoria Community Ministries e.V.“ (PCM) aus Heidelberg auf den Illinger Künstler Eugen Schütz aufmerksam geworden. Der Bildhauer wurde von der Organisation zu einem Kunstprojekt nach Südafrika eingeladen. Hier sein aufregender Bericht für die SüdZeit:

Kunst in einem Township zu machen, befremdet einen erst mal. Kommen nicht aus Afrika mit die besten kreativen Künstler? Wie dem auch sei, Südafrika hat in aller Welt um Hilfe für ein neues friedliches und menschenwürdiges Südafrika gebeten.
Man stellte mir in Pretoria den Büro-Mitarbeiter Eric zur Hilfe ab, den ich schon zuvor auch in Deutschland kennen lernte. Während unserer täglichen Vorstellungs-Tour bei den Townshipgruppen, musste mein Assistent immer wieder wegen irgendwelcher verwertbaren Dinge an der Straße anhalten, bestimmte Äste oder riesige Samen eines Baumes. Für Eric, Migrant aus Malawi, war meine Arbeit am wenigsten nachvollziehbar. Wie vielen in Südafrika ging es ihm um die Existenz und das nackte Überleben.
Nach und nach füllten wir die ehemalige Feuerwehrhalle mit allerlei Material. Sie wurde zum nationalen Museumspark umfunktioniert und als Arbeitsplatz von der PCM-Koordinatorin Kathrin Windheim gewählt worden. Der neue Museums-Leiter Sgak kam ab und zu und schaute nach. Meist konnte er nichts wirklich sehen, außer einem großen Durcheinander an Materialien. Mir fiel es nicht leicht, herauszufinden, was ich aus all der Fülle genau machen konnte. Es fehlten manchmal kleine Details zur Vollendung, wollte ich doch immer eine bestimmte Größe und Ausdruckskraft erhalten. Einmal ging uns durch einen Hausabrisses in der Nachbarschaft ein gefällter guter Baum durch die Lappen. Er wurde einfach entsorgt. Dann lag plötzlich ein anderer bei Lali im Hof, aber ich hatte leider noch keine Kettensäge zum Bearbeiten. Oder es fehlte uns eine Nähmaschine um die riesige Ansammlung von Stoffen zu verarbeiten.

Der Überfall

Nachdem ich nirgendwo in Pretoria Kunst oder Künstler wahrnehmen konnte, drängte es mich an andere Orten. So kam es, dass meine Lebensgefährtin Marion und ich per Bus nach Johannesburg fuhren. In diesem Schmelztiegel und Symbol für Kunst wollte ich wenigstens einen Versuch machen, Künstler kennen zu lernen und einzuladen. Ich wollte auf meine bisherige Erfahrung an solchen Orten in Westafrika vertrauen. Da niemand Zeit hatte, gingen wir alleine und mit einem Stadtplan. Leider war es keine gute Idee; denn wir wurden Opfer eines gemeinen Überfalls. Vier junge Männer bedrohten uns mit dem Messer und nahmen uns Sonnenbrille, Kamera, Handy, Geld und Papiere weg. Vielleicht wäre es uns mit schwarzafrikanischer Begleitung nicht passiert. Ich erlebte zum ersten Mal, was es heißt, mit Nichts in einer dieser Großstädte zu sein. Gelesen hatte ich viel darüber. Aber ich wollte mich nicht von dieser allgemeinen Angst anstecken lassen. Warum schlossen sich die Bürger nicht zusammen und bildeten Initiativen und warum organisierte die Stadt nicht Kampagnen dagegen? Auch mit Kunst könnte man sicher eine größere Brücke bauen. Wenn man die Gewalt nicht sieht, herrscht Stress pur. Hier rennen doch alle, wenn’s dunkel wird. Für mich stand fest, dass ich auch eine Skulptur mit diesem Bezug bräuchte.
Auf der zweiten Woche lag nun dieser zusätzliche Ballast und außerdem musste mir gelingen, Leute von der Straße fürs Mitmachen zu gewinnen. Wieder gingen Eric und ich zum Street-Center und redeten mit (hauptsächlich) Männern über die Kunst-Idee. Mittlerweile bereits in der dritten Woche, waren wir aber erst an der ersten Skulptur.

Die Suche

Zur Enttäuschung vieler Besucher konnte ich immer noch keine Skulpturen zeigen. Naja, jeder muss lernen, dass KUNST eben ZEIT braucht. Nachdem ich meine erste Idee einer Hauswandbemalung aus technischen Gründen verwerfen musste, sollte es nun eine selbstgebaute Wand mit den Maßen 5x2m und einem kleinen Fenster werden. Der junge Amerikaner JD, der den Rohbau fertigen sollte, fing plötzlich an, Panik zu bekommen. Er konnte es nicht fassen, welches Equipment an Hilfsgeräten vorfand. Der Schreiner hatte sich geschworen, nie mehr damit und so zu arbeiten. Lieber ging er auf die Straße. Meine Chance, für Resozialisierung und neues Selbstvertrauen! Nach kurzer Unterbrechung, mit Vesper und Zigarette, Brainstorming und gutem Zureden, fing er an. Jetzt ging alles auf sein Kommando.
Zwischenzeitlich ging ich auf die Suche nach den berühmten N’Debele Frauen, befand ich mich doch in ihrer Region und wünschte mir eine Hausmalerin für unsere Wand. Es sollte schwer werden. Ebenso brauchte ich Korbflechter oder ähnliche Handwerker. Eine junge Kunsthandwerkerin verwies mich an eine ältere Dame beim Zoo. Tatsächlich fand ich sie mit ihrer Tochter inmitten vieler einfacher Kunsthandwerkerinnen und Händler.
Von nun an, ab der dritten Woche, zählten die Stunden für mich. Mit den zwei N’Debele-Malerinnen hatte ich mein Highlight für das Projektende, die geplante Ausstellung im Park! Und wieder gab es einen Lichtblick, denn zwischenzeitlich tauchte ein junger Künstler auf. Er hieß Peter, machte Lithographien und Holzschnitte. Gemeinsam bauten wir das „Window of hope“. Die Malerinnen wollten auch innerhalb einer Woche mit einer Wand fertig werden. Mit ihnen hatte ich gegen etwas Bezahlung die 3. Woche ausgemacht. Sie fuhren 6 Tage lang 2,5 Stunden hin und zurück und begannen schon um 8.30 Uhr morgens. Wir arbeiteten von nun an den ganzen Tag und ich bis in die Nacht.
Die Kunst

Der junge Kapstadter Ian hatte mich anfangs mal gefragt, was denn KUNST sei. Ich erklärte ihm, dass es eine schwere Frage sei und jeder selbst damit arbeiten muss und entscheiden kann. Eine Zeitlang war er wie verschwunden. Plötzlich rief er, ich sollte mal kommen. Wahnsinn, „he got it“. Der junge Kerl hatte eine echt heiße und bunte Skulptur aus Allerlei in der Halle einen ganzen Tag lang geschaffen, genannt „Freedom“. Da stand sie und er strahlte mit mächtigem Stolz. Fertig war die zweite Skulptur.
Unter den weiteren Miteiferern befanden sich jetzt auch Draht-Bieger o. –Flechter wie es viele in Afrika gibt. Einer fertigte große Blumen in Töpfen, ein Zweiter aus Alu-Dosen Blüten. Alle hatten jetzt eine Aufgabe und ein Ziel. Und endlich hatte auch JD viel Freude. Er war wieder in seinem Element und begann eine weitere Skulptur. Ich wollte eine „Freedom-Box“ mit rundherum afrikanischen Stoffen und zusätzlich eine Box für die Marionette auf dem gespendeten Trainingsrad bauen. Er war nicht mehr zu bremsen. Weil das Wetter immer schöner und tagsüber richtig sommerlich wurde, arbeiteten wir viel im Freien. So konnten andere Menschen uns zusehen.
Da mir plötzlich keine Zeit mehr blieb, wollte ich die „Kindergarten Salvokop-Puppe“ aus großen Plastikflaschen bei mir im Feuerwehrhaus beenden. Oskar und ein Freund machten sich über das im Überfluss vorhandene Bambus her und bauten ein „Beach-House“, zur Freude der späteren Parkbesucher. Das nächste Objekt stand fest. Es musste nur noch mit etwas Kunst erweitert werden. Hierbei wollte ich zum Häuschen ein Labyrinth aus den vielen Bambusstangen aufbauen. Unsere Malerinnen malten sich Strich für Strich in die Herzen aller Umherstehenden. Endlich bekam unsere Vorarbeit die entsprechende Würde. Die Tanzkompanie des Museum-Parks und deren Leiter staunten und verfolgten die Malerei. Es sprach sich herum und Fremde besuchten uns.
Einen Tag bekam ich von einer Blindenschule Besuch. Ich lies sie mit Perlen und Naturmaterialien lange Ketten auffädeln und Baumreste farbig anmalen, ja ganz richtig. Sie sollten meinen Traumfänger schmücken, den ich tatsächlich zu Ende bekam und mit im Burgers-Park aufhängte, 1,25 Meter groß.
Ab jetzt in der vierten Woche zählte jede Minute, puh, was für ein schwieriges Timing und ohne Helfer. Denn viele wollten in die anderen Workshops wie z.B. der Agulhas-Tanz Company, in der letzten Woche besuchen. Die zweite „Window“ -Seite musste unbedingt noch fertig werden.

Das Fest

Die Spannung wuchs jeden Tag! Da kam doch tatsächlich noch ein Korbmacher vorbei und baute mir noch zwei riesengroße Eier aus grünem Bambus. Über uns schwebte ein guter Geist. Wir fitteten alles Verwertbare nur so zusammen und „strudelten“ richtig zwischen unseren Skulpturen hin und her. Wir drei Künstler waren fast übermütig. Plötzlich befanden wir uns zwischen 3, 4, 5, und mehr zusammengestellten Objekten, die unser Schweißer ohne Murren und total sicher fertigte. Die Große Box für die Stoffe wurde gebaut, der offene Käfig für die Marionette. Manchmal kam ich nicht mehr zum Essen und den letzten Abend vor dem „FEAST“ arbeitete ich die halbe Nacht durch an der Box. Die Stoffkollage nannten wir „Freedom-Box“. „Ich wollte den Frieden im Innern für Südafrika festhalten, für jeden zugänglich und für ewig aufbewahren“! Sie wurde ebenfalls zum Foto-Renner im Park, 2x2x2 Meter groß.
Meine Lerato-Schulmädchen brachten ihre Stoffmalereien, so dass ich mit Hilfe einer arbeitslosen Handarbeits-Lehrerin, mit Nähmaschine, alles zu einem riesigen „Lerato-House-Kilt“ aus bemalten Stoffresten, Perlen und diversen Dekors zusammennähen lassen konnte. Das ca. 3x3m große Werk wurde an die Hauswand des PCM-Restaurants im Park gehängt. Ein Mädchen hatte noch eine große N’Debele-Puppe gefertigt. Zwei hatten sich Brautkleider als Kostüm zum Fest zusammengeschustert, ganz fein in weiß.
Aber ein wichtiges Treffen für die Nachhaltigkeit des Projekts fehlte mir noch. Irgendwie musste ich die deutsche Botschaft oder das Goethe-Institut besuchen. Durch intensives Telefonieren im PCM-Büro und ein bisschen Glück, bekam ich einen Termin beim deutschen Kultur-Attache und beim Leiter des Goethe-Institutes.
Nach den letzten Pinselstrichen gegen Abend war unsere Wand beiderseitig fertig und musste noch von sechs Leuten „durch die Stadt zu Fuß in den „Burgers-Park“ getragen werden.
Der Tag X kam und irgendwie hatten wir plötzlich „15 wunderbare Objekte und Skulpturen“. Das jährlich stattfindende und von PCM organisierte „FEAST of the Clowns“ stand wie mein Kunstprojekt unter dem Motto „I am able“ (Ich bin fähig)! 10000 Menschen kamen und bewunderten besonders unsere doppelseitige Wand. Das Fotografieren war allerdings nur gegen eine kleine Spende für meine frei arbeitenden Künstler erlaubt. Eine weitere große, nur von mir, geschaffene Skulptur im Park nannte ich “A chicken is running after a black piece of wood”. Sie war ca. 3 Meter hoch und 1 Meter breit und tief. Mit viel Geschick konnten wir sie an einer gebrochenen Schweißstelle mit einem Palmstängel notdürftig fitten. Mein Wunsch ist , dass dieses Objekt dem Bürgermeister von Pretoria geschenkt wird. Sie soll Kunst stärker in die Öffentlichkeit bringen. Zum Anderen soll sie ihm signalisieren, dass man sich immer gut überlegen sollte, wem man hinterher rennt.

Der Abbau

Natürlich hatte niemand bei PCM Erfahrungen mit einem Kunstprojekt. Eric und ich trafen uns mit der deutschen PCM- Koordinatorin Kathrin und dem PCM-Leiter Stephan, gaben Bericht und klärten immer wichtige Details. Das Schwierigste war, vielen begreiflich zu machen, was Kunst ist oder sein kann und wie so ein Projekt in vier Wochen und als Selbsthilfe funktionieren kann. Wenn man nichts hat, mittellos ist, nichts Wert ist in einer Gesellschaft oder sogar AIDS hat, also erst recht keine Zukunftsperspektive mehr, dann hat hier vielleicht KUNST eine Chance gezeigt. Als dann jeder mit einbrechender Dunkelheit unsere wertvollen Kunstwerke nach der eintägigen Kunstausstellung im Park mit wenig Respekt wegräumte, war ich doch etwas enttäuscht. Ich konnte gerade noch das Schlimmste verhindern, denn einige Objekte wurden beschädigt und mussten später repariert werden. Bei einer kleinen Abschiedsfeier machte ich nochmals auf den entstandenen Wert der erbrachten Arbeiten aufmerksam und bat alle um mehr Respekt gegenüber unserer vielleicht nicht berühmten KUNST. Als ich erklärte, dass ein Verkaufserlös ca. 100.000 R einbringen könnte, stockte allen der Atem und ihnen wurde klar, welche Werte wir tatsächlich geschaffen hatten.

Eugen Schütz, Illingen, Recycling- & Agenda Künstler und
DEAB-Vorstand


Bilder dazu auf der Webside www.kwaku.de unter „Aktuelles“ oder „Projekte“. Kontakt: KWAKU Eugen Schütz Illingen/Württ.
Fon/Fax 07042-24597 akwaaba@kwaku.de www.kwaku.de